Versteckte Passagen und nette Bistros in dem Viertel Bastille

Der im Osten der Stadt gelegene „place de la Bastille“ stellt nicht nur die Grenze des mittelalterlichen Paris dar, sondern gilt heute auch als das östliche Ende des touristischen Zentrums. Ab hier sind Touristen in der Unterzahl und wir befinden uns mitten im pulsierenden Leben der „parisiens“. Wenn Sie also in Paris in authentischer Atmosphäre ein Café Genießen, oder einen „Apéro“ (Umtrunk) zu sich nehmen möchten, dann trauen Sie sich hinein in das ehemalige Viertel der Revolutionäre. Haben Sie keine Angst! Auf diesen ersten Spaziergang außerhalb der touristischen Pfade nehmen wir Sie an die Hand und zeigen Ihnen ein Paris, das Sie entzücken wird.

Aus dem wunderschönen Viertel Marais kommend, laufen wir auf den Place de la Bastille. Der Platz trägt den Namen einer zum Gefängnis umgebauten ehemaligen Burg, die im Mittelalter an der Stadtmauer der Stadt lag und das östliche Tor „Porte Saint Antoine“ beschützte. Seit das Gefängnis von den Revolutionären am 14 Juli 1789 gestürmt und bis auf die Grundmauern niedergerissen wurde, ist der Name Bastille unwiderruflich mit den Ereignissen der französischen Revolution verbunden. In der Mitte des Platzes erhebt sich die Julisäule, die an eine weitere blutige Revolution im Juli 1830 erinnert. Sie sehen also, dass das Viertel in dem wir Sie jetzt hineinführen, Keimzelle zahlreicher Revolutionen war. Bis heute ist der Platz ein beliebtes Endziel von Demonstrationen, bei denen die Liebe der Pariser zu Krawall und Barrikadenkämpfe immer wieder aufflammt. Aber keine Angst, Ihren Kopf werden sie hier nicht verlieren! Das Viertel ist heute vor allem für seine Mischung aus regem Nachtleben und seinen vielen kleinen charmanten Passagen bekannt.

Wir lassen die 1989 von Carlos Ott gebaute Oper hinter uns und laufen auf die Nordseite des Platzes. Vor der dichten Menschenmenge fliehend, schleichen wir uns in eine der schönsten und ruhigsten Passagen der Stadt, die „cour Darmoye“. Der Eingang befindet sich -versteckt hinter einem Kiosk- zwischen dem „Café Falstaff“ und dem Restaurant „Paradis du fruit“. Sie werden über den Kontrast zwischen dem hektischen Bastille Platz und dieser ruhigen Passage überrascht sein. Gönnen wir uns hier in der „brulerie Daval“, einer uralten Kaffeerösterei, den wohl besten Kaffee der Stadt.

Wenn Ihnen jetzt schon eher nach einem richtigen „Apéro“, also einem abendlichen Gläschen Wein, Bier, Pastis oder ähnlichem ist, dann biegen wir am Ausgang der Passage nach rechts ab und ziehen in die „rue de Lappe“, eine der bekanntesten und ältesten Kneipenstraßen der Stadt. Dort wo im 19. Jahrhundert die Zuwanderer aus dem Zentralmassiv die „Musette“ und das Akkordeon populär machten, treffen sich heute Menschen aus allen Bevölkerungsschichten in einer kosmopolitischen Atmosphäre. Wenn Sie statt mexikanischem Mojito oder Irischem Guinness lieber wie zu alten Zeiten trinken möchten, dann gehen wir in das Café les Sans Culottes , das bis heute an den Geist der Revolution erinnert. „Sans Culotten“ wurden die aufständischen genannt, die statt Kniebundhosen (wie sie die Adeligen trugen) lange Hosen anhatten. Wenn Sie sich jetzt schon danach fühlen, in historischem Ambiente ausgiebig weiter zu feiern, dann entlassen wir Sie hier in das „Balajo“, einem Nachtclub der seit den 30 er Jahren die Pariser dazu bringt, ihr Tanzbein zu schwingen.

Wenn Sie aber eher genug haben vor der lauten Menschenmenge, dann folgen Sie uns zum Ende der Straße bis zur „rue de Charonne“. Dort biegen wir links ab, und betreten das Comicbuch Geschäft „BDNET“ auf der anderen Straßenseite. Hier können Sie eine riesige Sammlung an Comicbüchern in verschiedenen Sprachen bewundern. Ob Jung oder Alt, die „bande dessinées“(oder „BD“), gehören zu den Großen Leidenschaften der Franzosen.

Hier haben wir eine Überraschung für Sie! Durch den Hintereingang dieses Ladens kommen wir in die wohl versteckteste Passage der Stadt; die „passage Lhomme“. Hierbei handelt es sich um eine regelrechte Oase der Ruhe inmitten dieses ansonsten sehr hektischen Viertels. Die Hausfassaden erinnern daran, dass sich hier früher Schreinereien und weitere Handwerksberufe befanden und man fühlt sich dort Heute wahrlich wie in einer Filmkulisse. A Propos, hier wurden Szenen aus dem Musikclip von Joe Cocker „N’oubliez jamais“ (1997)gedreht

Wenn wir durch den gesamten Hof gelaufen sind und am anderen Ende durch ein grosses Eisentor gelaufen sind (um das Tor zu öffnen müssen Sie an der Mauer rechts auf einen Schalter drücken), stossen wir am Ausgang auf eine kleine Bar, vor dessen Eingang sich bestimmt schon am frühen Nachmittag zahlreiche „Hippe“ und meist Junge Leute, mit einem Glas Wein und Gauloises rauchend, tummeln werden. Hierbei handelt sich um die Bar „Motel“, eine der angesagtesten Kneipen des Viertels, wo sich zahlreiche Street-art Künstler aus der hieransässigen Szene treffen. Manche dieser Künstler haben internationalen Ruhm erlangt. So zum Beispiel Rhadia de Ruitier, die unter dem Künstlernamen „Miss Tic„ zahlreiche Hausfassaden des Viertels Verschönert hat

Wir lassen die überfüllte Bar jedoch hinter uns und ziehen direkt in die nächste Passage weiter; der „Passage de la bonne graine“. Diese Passage, die in Edith Piafs Lied „Je m’en fous pas mal“ erwähnt wird beherbergt ein nettes kleines Puppentheater, das von einem jungen Kollektiv geführt wird (Hausnummer 16).

Am Ende der Passage landen wir auf die „rue du Faubourg Saint Antoine“, der ehemaligen Königsstrasse richtung Reims und Heute Grenze zwischen dem 11 und dem 12 Arrondissement. Wir laufen zusammen über den „Square Armant Trousseau“. Hier befand sich früher ein Friedhof für die „enfants trouvés“, den Weisen und ausgesetzten Kindern der Stadt, die in die Obhut der „grauen Schwestern“ kamen.

Von hieraus ist es nur ein Katzensprung zum „Marché d’Aligre“, einem der ältesten und authentischsten Märkte in Paris. Vorbei an den vielen Obstständen und den aus vollem Halse schreienden Verkäufern laufen wir in den überdachten Markt und probieren dort eine Auswahl an erlesenen Delikatessen aus allen Regionen Frankreichs. Bestimmt gibt es hier die größte Auswahl an Käsesorten der Stadt. Wenn ihnen jetzt der Appetit gekommen ist, dann entlassen wir Sie jetzt in eines der zahlreichen kleinen Bistrots. Eine Spezialität des Platzes sind übrigens frische Austern, die sie am besten mit einem guten Weißwein auf der Terrasse genießen.

Bon appétit und au revoir…

2016-10-28T15:29:13+00:00