Über Die Brücken von Paris… entlang der Seine

.„Sous le pont Mirabeau coule la Seine…“, Dieses Lied von Leo Ferré nach dem Gedicht von Apollinaire beschreibt das ewige dahinfliessen des Wassers unter einer Pariser Brücke und ist zugleich ein Lamento über die Vergänglichkeit der Zeit.

Die Spuren der Zeit lassen sich in Paris besonders entlang des, seit 1991 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannten, Seineufers nachempfinden und die 37 Brücken, die das ,linke‘ südliche Ufer (rive gauche) mit dem ,rechten‘ nördlichen Ufer der Seine (rive droite) verbinden, geben der Stadt ihren einzigartigen Charme. Die Geschichte Ihrer Erbauung gibt Aufschlüsse über die Entwicklung dieser Metropole an der Seine und des besonderen Verhältnisses der Pariser zu ihrem Fluss.

Bis Anfang des 17. Jahrhunderts hatte Paris lediglich vier Brücken, welche bis heute die „Ile de la Cité“ mit dem Festland verbinden. Die „Petit Pont“ und „Pont Saint Michel“ zum linken und die „Grand Pont“ (heute „Pont Notre Dame“) und die „Pont au Change“ zum rechten Ufer. Die ursprünglichen Brücken aus der Antike und dem Mittelalter gibt es heute nicht mehr. Mehrmals stürzten sie ein und mussten immer wieder neu aufgebaut werden. Die heutigen Brücken stammen aus der Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die älteste noch erhaltene Brücke in Paris trägt paradoxerweise den Namen „Pont Neuf“, also „Neue Brücke“. So genannt, weil sie die erste war, die frei von Behausungen gebaut wurde. 1607 fertiggestellt, ermöglichte sie auch als erste eine direkte Verbindung zwischen beiden Flußufern. Heute hat man von ihrer Mitte aus (auf der westlichen Spitze der Ile de la Cite) einen zauberhaften Ausblick auf den Louvre und die vielen Sehenswürdigkeiten entlang der Seine.

 

Bis zur Französischen Revolution 1789 wurden nur vier weitere Brücken gebaut, von denen aber heute nur noch die „Pont Marie“ (1630) auf der nördlichen Seite der Ile Saint Louis, sowie die „Pont Royal (1689) in ihrer zeitgenössischen Form erhalten geblieben sind. Die „Pont au double“ und „Pont d´Arcole“ konnten der Elementeneinwirkung (Witterungsbedingungen, Überflutungen etc.) der Zeit nicht standhalten und mussten im 19. Jahrhundert ebenfalls ersetzt werden.

Inmitten der Revolutionsjahre entstand eine der breitesten und imposantesten Brücken; die „Pont de la Concorde“. Sie verbindet das Abgeordnetenhaus auf dem linken Seineufer mit dem gleichnamigen „Place de la Concorde“, dem größten und wichtigsten Platz der Stadt, welcher zwischen den Tuilerie Garten und den Champs Élysées gelegen ist. Die Brücke wurde zwar noch zu Zeiten der Monarchie unter Ludwig dem XVI in Auftrag gegeben, wurde aber erst inmitten der Revolutionsjahre 1791 eingeweiht und besteht teilweise aus den abgetragenen Steinen des im Juli 1789 gestürmten Bastille Gefängnisses.

Aus der Zeit Napoleons stammt die älteste und unter Touristen beliebteste Brücke der Stadt; die „Pont des Arts“ (1804). Diese kleine Fußgängerbrücke ist zugleich die erste Gusseiserne Brücke in Paris. Ihr Name („Brücke der Künste“) geht auf die ehemalige Bezeichnung des Louvres als „Palais des Arts“ zurück. Viele kennen sie heute auch als die „Brücke der Verliebten“, denn seit einigen Jahren kursiert ein Brauch unter verliebten Pärchen, ein Vorhängeschloss an die Brücke zu befestigen, um sich auf diese Art und Weise ewige Liebe zu schwören. Wegen der vielen Schlösser an der Brücke und dem zusätzlichen Gewicht sind allerdings Teile der Absperrgitter stark beschädigt worden und die Stadt versucht nun, mit allen Mitteln diesem relativ neuen Brauch Einhalt zu gebieten.

Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Industrialisierung Frankreichs ihren Lauf nahm und Paris zu einer modernen Weltmetropole wurde, kam es zu einem regelrechten Bauboom und machte die Stadt im Jahr 1900 um 18 neue Brücken reicher. Die wohl bekannteste dieser Brücken aus dem 19. Jahrhundert ist die „Pont Alexandre III“, welche rechtzeitig zur Weltausstellung 1900 eingeweiht wurde. Sie gilt als eindrucksvollste Brücke ihrer Zeit. Nicht nur ihre sehr dekorative äußere Erscheinung im Stil des Neobarocks, sondern auch die technische Realisierung ihrer Stahlbogenkonstruktion zeichnet diese Brücke als technisches Meisterwerk aus.

Im 20. Jahrhundert war der Bedarf an Brücken im Pariser Raum weitgehend gedeckt. Einige Brücken mussten jedoch neu gebaut werden, wie die stark in Mittleidenschaft gezogene, aus dem 17. Jahrhundert stammende „Pont de La Tournelle“. An der 1928 neu gebauten Brücke befindet sich eine bemerkenswerte 15 Meter hohe Statue der heiligen Genoveva von Paul Landowski. Dieser seinerzeit äußerst gefragte Bildhauer polnischer Abstammung arbeitete einige Jahre später im gleichen Stil am Cristo Redentor in Rio de Janeiro.

Die letzte große Brücke die in Paris gebaut wurde ist die „Pont Charles de Gaulle“ (1996). Resolut modern verbindet sie das 12. und das 13. Arrondissement im Osten der Stadt.

Gleiches tut auch der „Simone de Beauvoir Steg“ (2006). Diese bis dato jüngste Brücke über die Seine ist besonders für Radfahrer geeignet.

So wie die „Pont Mirabeau“ ganz im Westen der Stadt, haben viele Brücken in Paris ihre eigene Geschichte zu erzählen und werden in zahlreichen Gedichten und Volksliedern thematisiert. So sollten Sie sich etwa davor in Acht nehmen, dass Ihnen der „schelmige Wind“ auf der „Pont des Arts“ nicht unter den Rock schaut …

2016-10-28T15:29:13+00:00