Saint-Germain-des-Prés, das Viertel der Existenzialisten

Das Viertel rund um die Kirche Saint-Germain-des Prés entstand ursprünglich als Vorort von Paris außerhalb der Stadtmauern und wurde erst im Laufe des 16. Jahrhunderts eingemeindet. Auf dem Braun-Hogenberg Plan von 1572 (Achtung die Karte ist nicht nach Norden, sondern nach Osten ausgerichtet) ist dies besonders gut zu erkennen. Dort sieht man auch, dass sich der südliche teil der Stadt langsamer entwickelte, als der Norden rund um das Viertel Marais, wo sich ab dem Hochmittelalter die verschiedenen Händlergilden niedergelassen haben.

Historischer Paris Plan

Auf diesem Stadtplan aus dem 16. Jahrhundert erkennt man im Südwesten eine vorgelagerte Siedlung mit teilweise eigener Befestigungsanlage. Dabei handelt es sich um die Abtei Saint-Germain-des-Prés, dessen Kirche mit ihrem romanischen Turm aus dem 11. Jahrhundert erhalten geblieben ist und somit die älteste in ganz Paris ist. Mit dem stetigen Wachstum der Stadt wurde die Abtei, die noch bis zur Französischen Revolution direkt dem Vatikan unterstand, allmählich „geschluckt“ und gab dann Mitte des 19. Jahrhunderts dem neuen Boulevard Saint-Germain-des-Prés, sowie dem gesamten Viertel ihren Namen. Heute gehört das Viertel Saint-Germain-des-Prés zu den Gehobeneren der „Rive Gauche“ (das linke Seineufer) mit zahlreichen Designläden, Modeorten und Kunstgalerien.

Kirche Saint Germain des Prés

Dabei hatte das Viertel noch Mitte des letzten Jahrhunderts einen ganz anderen Ruf. Damals kurz nach Kriegsende war die Gegend als Zentrum des Existenzialismus bekannt. Bis Heute verbindet man mit dem Viertel Namen wie Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, oder auch groe französische Cineasten wie Godard und Truffaut. Bekannt sind vor allem die zwei wichtigsten Treffpunkte dieser intellektuellen und kulturellen Elite; das Café de Flore und das Café des Deux Magots. Beide Cafés wurden ende des 19. Jahrhunderts eröffnet und waren für die Pariser Avantgarde ab den 20er Jahren und selbst während der deutschen Besatzung eine Art zweites Wohnzimmer. Heute sieht man hier neben den zahlreichen Touristen weniger die Avantgarde als manche „Promis“ und „Jetsetter“ aus aller Welt. Karl Lagerfeld angeblich ein treuer Gast des Etablissements sein.

Café de Flore

Die Philosophen- und Künstlerszene Saint-Germain-des-Prés verbrachte allerdings nicht nur ihre Zeit mit dem Schreiben von Romanen und dem Philosophieren in den letztgenannten Cafés, auch das Tanzbein wurde kräftig geschwungen. In den Tanzlokalen „Le Tabou“ und im „Club Saint-Germain“ versammelten sich Ende der 40er Jahre die tanzwütigen Jugend um bekannte Jazzkünstler wie Miles Davis, Duke Ellington oder Django Reinhardt und ließ die Nacht zum Tage werden. Boris Vian, ein bekannter Schriftsteller und Liedermacher in Frankreich, bezeichnete diese „Zazous“ (Jazzliebhaber) als „Troglodyten“ (Höhlenbewohner), da sie nur selten das Tageslicht zu sehen bekamen. Ein solcher Ort an dem geraucht wurde wie am Schlot, wäre im heutigen Paris mit seinem strengem Rauchverbot undenkbar.

Heute ist Saint-Germain eher geprägt von zahlreichen Designergeschäften und Kunstgalerien. Das Herz der „etablierten Kunstszene“ befindet sich heute zwischen der rue de Seine und der rue Bonaparte, also unweit der Kunstakademie Beaux-Arts, jener „Akademie der schönen Künste“ die so viele der bekanntesten französischen Künstler hervorgebracht hat. Neben Auguste Renoir, Henri Matisse oder Paul Abadie kam auch der bekannte Maler Eugène Delacroix in den Genuss einer Ausbildung in dieser glanzvollen Institution. Heute ist ihm ein Museum (http://www.musee-delacroix.fr/en/) in seinem ehemaligen Atelier in der rue de Furstemberg gewidmet. Dieser kleine Platz, der recht schwierig zu finden ist, versinnbildlicht wie kein anderer die Mischung aus Ruhe und Hektik, aus Licht und Schatten des Quartier Latin, das heute wahrlich ins Zentrum der Hauptstadt gerückt ist.

Place Fürstemberg
2018-01-18T17:36:43+00:00