Notre Dame de Paris – Meisterwerk der Gotik

Mitten auf der Île de la Cité, im Herzen von Paris, liegt die wohl bekannteste und beeindruckendste Kathedrale des Abendlandes. Ein Bauwerk das für Millionen von Touristen aus aller Welt eine unumgängliche Sehenswürdigkeit ist. Zu Recht ! Denn die alte Dame, die 2013 ihren 850. Geburtstag feierte, ist ein architektonisches Meisterwerk und zeugt bis Heute von der besonderen Rolle der französischen Hauptstadt in der europäischen Kulturgeschichte.

Der Bau von Notre Dame de Paris wurde im Hochmittelalter 1163 von dem Bischof Maurice de Sully angeordnet. In einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwunges in der Paris zur größten Stadt des Abendlandes wurde, sollte ein repräsentativer Bau den Segen Gottes auf die Pariser Bevölkerung bringen. Notre Dame versinnbildlicht auch den kulturellen Wandel jener Zeit und den Übergang der Romanik und seiner blockartigen Bauweise zur gotischen, den Himmel hinaufstrebenden Architektur. Die vielfältigen und zahlreichen Ornamente, wie Fensterrosen und Wasserspeier, die die Kathedrale Schmücken, sind allesamt Zeugen einer Vervollkommnung der Kunstfertigkeiten der Menschen aus dieser Epoche. Die Entwicklung der Stile während der rund zweihundertjährigen Bauphase lässt sich an der Hauptfassade erkennen. Dort zeugen die Reliefs auf den Drei Portalen noch Heute von der tiefen Religiosität, die das Mittelalter geprägt hat. Diese Reliefs zu entziffern und zu interpretieren, ist für den modernen Menschen um einiges schwieriger, als es damals für die Zeitgenossen der Erbauer war. Schaut man genauer hin, sieht man zum Beispiel welche schreckliche Qualen den Sündern in der Hölle erwarten.

Die Kathedrale war aber nicht immer das unangefochtene geistliche Symbol der Stadt. Spätere Kirchen wie Saint-Paul/Saint-Louis im Marais entsprachen eher dem Zeitgeist der frühen Neuzeit und der Zeitgenossen Ludwig des XIV. In den Revolutionsjahren wurde Notre-Dame dann stark in Mitleidenschaft gezogen, denn die Revolutionäre legten weite Teile Ihrer Fassade und den gesamten Innenraum in Schutt und Asche. So erlitten die Königsstatuen oberhalb der drei Portale das gleiche Schicksal wie der guillotinierte Ludwig XVI; Sie verloren alle ihre Köpfe.

Trotz ihres nach dem Ende der Revolution stark heruntergekommenen Zustandes wurde die Kathedrale 1804, von Napoleon I. (Die Krönung in Notre Dame (1804) – Gemälde von Jacques-Louis David, 1805–1807 – als Ort für seine feierliche Kaiserkrönung auserkoren. Um den bemitleidenswerten Zustand des Gebäudes zu verbergen wurde hierfür der gesamte innere Bereich in eklatantem Weiß gestrichen und die zerstörten Reliefs mit großen Wandteppichen überhangen. Napoleon -der sich die Kaiserkrone selbst auf das Haupt setzte- und die späteren Könige Ludwig XVIII und Karl X überließen die Kathedrale danach wieder ihrem Schicksal, sodass kurzzeitig sogar ihr Abriss in Erwägung gezogen wurde.

Den Erhalt des Gebäudes verdanken wir heute größtenteils dem Einsatz von Victor Hugo, der seine Zeitgenossen von dem kulturellen Wert der Kathedrale überzeugen konnte. Mit seinem 1831 erschienen Bestseller „der Glöckner von Notre Dame“ (der im französischen schlicht „Notre Dame de Paris“ heißt) weckte er in der Pariser Gesellschaft ein Bewusstsein für die Bedeutung die Erhaltung ihres kulturellen Erbes. Schon ab dem Jahr 1845 wurde so ein kompletter Wiederaufbau beschlossen und aufwändige Restaurierungsarbeiten unternommen. Das Vorhaben schoss schlussendlich über eine einfache Restaurierung hinaus, denn der Architekt Viollet-Le-Duc interpretierte das gesamte Gebäude neu, indem er Ihr freierfundene Elemente im historisierenden Stil hinzufügte. Viollet-le-Duc entwarf so diverse Zubauten zur Verschönerung des Gebäudes, wie die zentrale Turmspitze, und ließ es sich nicht nehmen sich dort höchstpersönlich als heiligen Thomas darzustellen, der sein fertiges Meisterwerk bewundert.

Einige Jahre nach dem Ende der Bauarbeiten 1864 gab es zwar erneut Zerstörungen und Plünderung in Paris während der „Commune de Paris“ 1871, doch die Kathedrale überstand auch diese Zeit, sowie später die zwei Weltkriege, die spurlos an ihr vorbei gingen. Die größte Gefahr geht Heute von der starken Luftverschmutzung aus, die eine regelmäßige und teure Reinigung vom schwarzen Ruß erfordert.

Für die Weltmetropole Paris ist die Kathedrale im 21. Jahrhundert vor allem wegen Ihrer Rolle als Touristenmagnet wertvoll. Mit 14 Millionen Touristen Jährlich ist sie das meist besuchte Monument Frankreichs. Dementsprechend können die Wartezeiten lang sein und frühes Aufstehen empfiehlt sich. Besonders magisch wirkt die Kathedrale während der katholischen Feiertage und wenn dort die Messe gefeiert wird; Dann können beim Geruch des Weihrauchs und dem Betrachten des Sonnenscheins durch die Buntgläser beim Besucher Mystische Gefühle vorkommen.

Informationen :

Die Kathedrale ist täglich geöffnet von 08h00 bis 18h45 (Samstag und Sonntag bis 19h15). Der Eintritt ist kostenlos

Die Türme sind vom ersten April bis 30 September von 10h00 bis 18h30 und vom 1 Oktober bis 31 März von 10h00 bis 17h30 geöffnet. Im Juli und August sind die Türme sogar bis 23h00 offen. Der Eintritt kostet 8,50 € ist aber für unter 26 Jährige, die Ihren Wohnsitz in der EU haben, umsonst.

2018-01-18T18:55:52+00:00