Das Schloss Versailles : Prunkstück des klassizistischen Barocks

Auch wenn Sie nur für ein paar Tage in Paris sind, einen Ausflug nach Versailles und seiner hochherrschaftlichen Schlossanlage sollten sie auf keinen Fall missen. Erst nach einem Spaziergang durch die glanzvollen Gänge des Schlosses und den riesigen Schlosspark bekommen Sie ein Gefühl für die Extravaganz des französischen „Ancien Regime“, also der Epoche vor der Revolution. Planen Sie hierfür mindestens einen halben Tag ein und bevorzugen Sie, wenn möglich, einen Besuch unter der Woche.

Versailles, bis zum Umzug der französischen Könige ein verschlafenes Dorf im Südwesten der Hauptstadt, entwickelten sich ab dem Ende des 17. Jahrhunderts zum Epizentrum des französischen Hofes und als Sitz der Monarchie auch zum einflussreichsten Ort der europäischen Hofkultur. Ursprünglich als Jagdschloss unter Ludwig dem XIII. erbaut, wurde Versailles von seinem Sohn Ludwig XIV. ab 1661 in mehreren Etappen ausgebaut. Als der französische Hof 1682 aus dem Louvre in das neue Schloss zog, arbeiteten immer noch mehr als 20.000 Bauarbeiter am Schloss. Die gesamte Anlage wurde andauernd um- und ausgebaut, so dass bis zum Ausbruch der Revolution noch immer Bauarbeiten im Gange waren.

Ausschlaggebend für den Bau des Schlosses war einerseits die Abneigung des Sonnenkönigs gegenüber Paris, wo er als 5 Jähriger die traumatische Erfahrung der „Fronde“ machte. Die „Fronde“ war ein Aufstand der Adeligen gegen die zentralistische Politik der Monarchie. Diese Ereignisse erklären auch teilweise die Egomanie und Paranoia des Sonnenkönigs und seinen späteren Anspruch absolutistischer Macht. Als weiterer Grund für den Bau des Schlosses wird oft der Neid des Königs gegenüber Nicolas Fouquet erwähnt, als er sein Schloss in Vaux-le-Vicomte besichtigte. Die Zurschaustellung des Reichtums seines Finanzministers pikierte ihn so sehr, dass er ihn kurzerhand verhaftete. In seiner Gefangenschaft in der Festung Pinerolo, wo Fouquet 1680 starb, soll er später den „Mann mit der eisernen Maske“ getroffen haben. Um letzteren ragen sich zahlreiche Gerüchte und seine Identität wird wohl nie herausgefunden werden. Eine der beliebtesten Thesen ist die, dass es sich hierbei um den Zwillingsbruder des Königs handelt. So wurde die Geschichte auch 1998 im gleichnamigen Film mit Leonardo di Caprio dargestellt.

Der König war von dem Schloss Fouquets derartig beeindruckt, dass er zugleich kurzerhand seine Architekten abkommandierte und für den Neubau des Schlosses Versailles einsetzte. Neben Louis Le Vau, einem der wichtigsten Architekten des klassizistischen Barocks, auch den Landschaftsgärtner André le Notre, der den französischen garten „à la française“ prägte. Der Garten des Schlosses von Versailles stellt den vollkommensten dieser Barockgärten dar. Die Natur ist hier der Menschlichen Rationalität untergeordnet und jeder Strauch, jeder Teich entspricht einer symmetrischen Ordnung.

Die Dimensionen des Park sind schwindelerregend. Auf über 850 Hektar Land befinden sich 350 000 Bäume, 43 km Wege, 14 Boskette (Lustwäldchen), um die 400 Skulpturen, 55 Fontänen und 600 Wasserspeyer. Verpassen sie nicht am Ende des Parks das „Hameau de la Reine“, ein idealisiertes Dorf das Ludwig der XVI. kurz vor der Revolution seiner Frau Marie Antoinette bauen ließ. Dort konnte Sie dem Trubel des Hofes entfliehen und sich in die Rolle einer Schäferin fühlen. Der kleine Weiler erinnert Heute stark an die Kulissen von Disneyland.

Im Park befinden sich zwei weitere Lustschlösser, das „Grand Trianon“, das sich Ludwig XIV als privaten Rückzugsort von dem Architekten Hardouin-Mansart bauen ließ und das „Petit Trianon“, das Ludwig XV für seine Mätresse Madame de Pompadour von dem Architekten Ange-Jacques Gabriel errichten ließ.

Den Großen Spiegelsaal im Hauptgebäude sollten Sie auf keinen Fall verpassen. Neben seiner beeindruckenden Innenausstattung erinnert er an die schwierigen Deutsch-Französischen Vorkriegsbeziehungen. Dort wurde am 21. Januar 1871 das zweite deutsche Kaiserreich auf den Trümmern des „Second Empire“ von Napoleon III. ausgerufen. Fast 50 Jahre später wurde dort 1919 der Vertrag von Versailles unterzeichnet, der die Niederlage des zweiten Deutschen Kaiserreiches besiegelte und später von den Nationalsozialisten als Anlass für Ihre aggressive Außenpolitik genutzt wurde. Heute werden wichtige Staatsgäste von dem Präsidenten der Republik in dem Saal noch immer feierlich empfangen.

Offizielle Webseite : http://en.chateauversailles.fr/homepage

Wir bieten private und Gruppenführungen in deutscher Sprache im Schloss Versailles an. Auf Wunsch können auch die Gärten und der Petit Trianon, das ehemalige Lustschloss, das von Ludwig XV. für Madame Pompadour erbaut wurde und später in den Besitz von Marie Antoinette überging besucht werden.

Bitte kontaktieren Sie uns per E-mail oder das Kontaktformular.

info@stadtrundgang-paris.com

2016-10-28T15:29:13+00:00