Das Picasso Museum im Marais

Nach 5 Jahren Renovierungsarbeiten hat das Picasso Museum im Marais endlich wieder eröffnet. Seit Oktober können dort 437 Meisterwerke des berühmten Künstlers bestaunt werden. Das Museum gehört zu den wichtigsten Picasso-Museen weltweit und bietet einen spannenden Überblick auf die 80 jährige Schaffenszeit des Künstlers von 1895 bis 1972.

Das Gebäude in dem sich das Museum befindet, ist an sich schon eine Sehenswürdigkeit und einen Besuch Wert. Unweit der Place des Vosges und inmitten des Marais gelegen, ist das Gebäude ein Paradebeispiel für die Architektur aus dem XVII Jahrhundert. Im Barockstil von1656 bis 1659 erbaut, trägt es den Namen „Hotel Salé“ (übersetzt „versalzenes Hotel“) und wurde als Stadtpalast („Hotel Particulier“) für Pierre Aubert errichtet.

Letzterer war für das Eintreiben der Salzsteuer bekannt, was dem Gebäude seinen Namen gab. Aubert wird auch als Inspiration für Molières Werk „Le Bourgeois gentilhomme“ (auf Deutsch: Der Bürger als Edelmann) gennant, da es sich bei ihm um einen Archetyp des Parvenüs (des Neureichen) handelt, der penibel versucht den aristokratischen Kreisen nachzuahmen und sich dabei lächerlich macht. Lange konnte Auber dann allerdings nicht von seinem Palast profitieren, da er schon 1663, in Ungnade gefallen, vom König enteignet wurde.

Danach wechselte das Gebäude mehrfach die Besitzer, bis es schliesslich 1962 Staatseigentum wurde und 1985 als Ort für das Picasso Museum auserwählt wurde.

Den Zeitgeist des XVII Jahrhunderts lässt sich Heute noch nachempfinden. So bietet der pompöse Treppenaufgang zum Beispiel einen Eindruck über das Selbstverständnis des ersten Besitzers. Mehr als eine einfache Treppe symbolisiert diese den sozialen Aufstieg. Inmitten eines fabelhaften Dekors an sorgfältig restauriertem Stuck, fühlt sich der Besucher dort in die Haut einer Madame de Pompadour oder eines Perückentragenden Höflings versetzt.

Doch so beeindruckend das Gebäude und die darin enthaltenen Schätze sein mögen, so verwundert doch die Kombination dieses historischen Palastes mit der modernen und unangepassten Kunst Picassos. Die Ausstellungskuratorin Anne Baldassari hat diese Schwierigkeiten jedoch gekonnt überwunden und einen faszinierenden Parcours erschaffen.

Der Verlauf ist chronologisch angelegt und bietet einen ausführlichen Überblick über die verschiedenen „Perioden“ des Künstlers. Vom ersten Stock, der „blauen Periode“,geht es bis zu dem zweiten Stockwerk, wo sich die letzten sehr „freizügigen“ Werke des Künstlers befinden. Selbst Picasso-Experten werden überrascht sein von manchen eher unbekannten Werken, sowie von einigen beeindruckenden Kollagen wie die der „badenden Frauen“.

Ein weiteres Highlight findet sich unter den Dächern des Gebäudes. Dort kann man die private Kunstsammlung Picassos bewundern und Werke von Cézanne, Matisse, Mirò, oder Braque aus unglaublicher Nähe betrachten.

Im Untergeschoß schließlich befindet sich ein eher didaktischer Teil mit kommentierten Zeichnungen und einer Fotoausstellung die viele Informationen (nur auf französisch und englisch) bietet.

Das Museum hat täglich (außer Montags) von11h30 bis 18h00 geöffnet (am Wochenende schon ab 09h30). Wie alle staatlichen Museen in Frankreich, ist der Eintritt an den ersten Sonntagen im Monat kostenlos, man muss aber mit einem großen Andrang rechnen. Für Nachtschwärmer gibt es an jedem dritten Freitag im Monat eine gesonderte Öffnungszeit bis 21h00. Der Eintritt kostet 11 Euro. Kleiner Tipp: Junge Europäer unter 26 Jahren zahlen bei Vorlage Ihres Personalausweises keinen Eintritt. Weitere Informationen finden sich auf der englischen Webseite des Museums

2016-10-28T15:29:14+00:00